Finanzkapitalismus

Finanzkapitalismus

Das Wort Finanzkapitalismus ist eine Abkürzung von der Bezeichnung Finanzmarkt-Kapitalismus. Es ist ein sozialwissenschaftlicher Begriff. Der einen neueren Typus von Kapitalismus kennzeichnet. In dem die Finanzmärkte einen wachsenden Einfluss auf die Realökonomie ausüben. Der von dem Soziologen geprägte Begriff Paul Windolf ist ganz besonders von Christoph Deutschmann und Klaus Dörre ausgegriffen worden.

Der Finanzkapitalismus

Er ist durch eine bestimmte Konfiguration von ökonomischen Institutionen gezeichnet. Zu diesen Institutionen gehören: die Aktienmärkte, Analysten und Ratingagenturen (boundary roles), die Investment-Fonds (Eigentümer). Sowie Transfermechanismen (z. B. feindliche Übernahmen). Die Mitte der Steuerung im Finanzmarkt-Kapitalismus bilden die Aktienmärkte. Sie bieten eine besondere Gelegenheitsstruktur für Opportunismus. Weil sie eine Transformation von Unsicherheit in Risiko lediglich fungieren.

Für Windold sind die „neuen Eigentümer“ die Investment-Fonds. Welche in den USA schon die Mehrheit hat an den großen Aktiengesellschaften besitzen. Der operativen Logik der Finanzmärkte unterworfen, zwingen sie Staaten und Firmen zu kurzfristigen Strategien der Profitmaximierung und Renditen-Steigerung. Die Finanz-Analysten und Ratingagenturen besetzen in diesem System wichtige Ratingagenturen, die Unsicherheit in Risiko umwandeln. Als bestimmte Transfermechanismen für feindliche Übernahmen identifiziert Windolf den Markt für Unternehmenskontrolle, Shareholder Value und Aktienoptionen.

Im Gegensatz zu Rudolf Hilferdings „Finanzkapital“ ist die durch die Finanzmärkte ausgeübte Kontrolle abstrakt, sachlich und anonym. Dies bedeutet, sie erscheint nicht als Herrschaft einer bestimmten Gruppe oder Klasse. Und zudem nicht als persönliche, sondern durch anonyme und globale Marktkräfte vermittelte Abhängigkeit.

Finanzialisierung im Finanzkapitalismus

Die Finanzialisierung ist eine Lehnübersetzung aus dem Englischen (financialisastion). Unter dem Begriff Finanzialisierung wird von Luiz Carlos Bresser-Pereira ein verworrenes institutionelles Arrangement (Abkommen) verstanden. Dies auf künstliche Weise finanziellen Reichtum schafft. Das heißt, ohne mit realwirtschaftlichen Produktionsabläufen verknüpft zu sein. Angebunden wird somit an die aus der klassischen Nationalökonomie bekannten Unterscheidung zwischen unproduktiver und produktiver Arbeit. Gerald E. Epstein fasst den Terminus etwas weiter. Er versteht darunter zunehmende Bedeutung finanzieller Motive von Finanzinstituten. Und Finanzmärkten sowie deren Akteuren für die nationale und internationale Wirtschaft.

Andreas Nölke und Marcel Heires bestimmen die Finanzialisierung als Machtverschiebung zwischen der Realwirtschaft und Finanzsektor. Die durch eine ganze Serie von Veränderungen bewirkt wurde und in Zukunft wird.

Als Beispiele führen sie im Finanzkapitalismus an:

  • die verspätete Vermarktlichung von Finanzbeziehungen,
  • die Deregulierung und Öffnung vormals national segmentierter Finanzmärkte,
  • die explosionsartige Verbreitung neuer Finanzinstrumente,
  • das Aufkommen des Shareholder-Value als neue Leitideologie für das Management der Firmen. Und die Umgestaltung der Firmenkontrolle,
  •  den Aufstieg institutioneller Anleger auf den Finanzmärkten,
  • die dramatische Ausweitung des Kredit- und Anlagegeschäfts für Privatkunden in Art von Hypotheken, Konsumentenkrediten und der privaten Alterssicherung.

Unser Tipp: Der Finanzkapitalismus kann man in verschiedenen Merkmalen beschreiben und begreifen. Ferner zum Beispiel die Dominanz der Finanzsektoren. Dabei geht es um das Anwachsen von Finanzgeschäften und weiterhin von Finanzmärkten. Ein weiteres Merkmal umschreibt die Entstehung einer Verschuldungs-Ökonomie. Wodurch die weltweite Geldgrundlage explodiert.

Fazit: Der Finanzkapitalismus ist ein sozialwissenschaftlicher Begriff geprägt durch Paul Windolf. Dieser beschreibt den Begriff als einen neueren Typus des Kapitalismus. Wodurch die Finanzmärkte einen wachsenden Einfluss auf die Realökonomie ausführen. Es geht auch vor allem um die Kontrolle von produktiver und unproduktiver Arbeit bei den Firmen und Organisationen. Wie findest Du den Finanzmarkt-Kapitalismus? Was bedeutet für Dich der Begriff Kapitalismus genau?

Lese Dir gerne auch den Artikel Industriekapitalismus zu diesem Thema durch.